Dies ist ein Artikel von @felixxx.
Im folgenden werde ich nocheinmal versuchen zu erklären, warum ich n^2 ( oder ein Derivat davon ) für die beste Rewardkurve halte.
Ohne zu wissen, wessen ursprüngliche Idee n^2 und 40 Votes/Tag waren, nehme ich an, dass diese Werte nicht willkürlich festgesetzt wurden.
*Die 'Kurve' vor HF 19
Die optimale Kurve, wie ein Post belohnt werden sollte, sieht meiner Meinung nach so aus:
https://i.imgur.com/egB927u.png
So oder ähnlich sieht eine Sigmoid Funktion ( S- Funktion ) aus.
Das ganze basiert auf der Exponential- bzw logarithmischen Funktion.
Viele Abläufe in der Natur lassen sich so präzise beschreiben.
Zum Beispiel, wie sich ein Stein in der Sonne erwärmt, oder das Algenwachstum in einem Teich, Gärungsvorgänge, Pilzwachstum usw.
Dabei läuft der Wert irgendwann gegen eine natürliche Schwelle, die zum Beispiel durch die maximale Sonneneinstrahlung, die Größe des Ökosystems oder des Brautanks, der Menge an Nährstoffen usw gegeben ist.
Der aufmerksame Leser wird sich nun vielleicht wundern, warum ich für n^2 ( x² ) bin.
Eine Parabel, bzw Quadratfunktion sieht höchstens näherungsweise so aus wie der untere Teil der S-Funktion und geht dann nur noch steil nach oben:
https://i.imgur.com/HxFqaFB.png
Ich habe jetzt mal ganz bewusst die Achsen beider Graphen nicht bezeichnet.
Meine Hypothese:
Wenn man den Rewards eine quadratische Funktion zugrunde legen würde, würde sich die tatsächliche Rewardverteilung ganz natürlich einem Sigmoid (S) annähern:
Zunächst mal wäre eine natürliche Obergrenze für Rewards gegeben.
Betrachtet man die Rewards über die Zeit, und geht von einem natürlich stabilen System aus, würde für jeden Post irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem irgendein Steem Power Besitzer den Post für überbewertet halten würde. Spätestens wenn der Post in den sehr steilen Bereich der Parabel übergehen würde, würde ein sehr starker Druck 'von oben' entstehen, da auch Downvotes mit verhältnismäßig wenig SP nun stark Einfluß nehmen würden.
Selbst wenn fast alle sich bei einem besonderen Post einig wären ( nochmal: bei einer halbwegs natürlichen Verteilung der Anteile ) würde die tatsächliche Rewardverteilung sich einem Sigmoid (S) annähern:
In sozialen Medien verbreitet sich besonders guter content viral.
Das sieht dann tatsächlich auch näherungsweise aus wie eine S Kurve.
Nur ein paar Leute finden zunächst den content und verbreiten ihn, bis ein bestimmter Punkt erreicht ist, ab dem ein exponentielles Wachstum eintritt und man davon sogar im Fernsehen berichtet, bis irgendwann eine Sättigung eintritt und nur noch vereinzelt einige die Nachricht endlich auch mitbekommen ( Und die Mehrheit längst den nächsten Hype verfolgt ).
TL;DR: Meiner Meinung nach müssen wir nur bei der Rewardverteilung mit einer Quadratfunktion nachhelfen, um wieder ein System anzuregen, dass sich quasi natürlich selbst regulieren kann.
@felixxx
>n² an sich ist schon nicht trivial zu verstehen für Neuankömmlinge und dann auch noch hin und her wechseln innerhalb von 9 Monaten naja. Ist halt wichtig dass die Leute dein Produkt verstehen, erstrecht bei Blockchain.
Ich bin ja recht neu hier und habe denke ich die die aktuelle Reward-Verteilung verstanden.
Mein verkürzter Take-Away davon ist folgender:
Die profitabelste Strategie liegt in der Minimierung von sozialer Interaktion (abgesehen von Circle-Jerks) und der vollen Konzentration auf die Maximierung der eigenen Gewinne. Man verzichtet dadurch auf den Glücksfaktor, dass die Leute deinen Content wirklich interessant/gut finden und hochvoten und zahlt sich stattdessen eine feste Rendite aus. Die kann durch die Kombination mehrerer Taktiken ziemlich gut ausfallen und ist vor allen Dingen stabil. Ich mache dazu demnächst mal 'nen größeren Post.
Ich glaube nicht, dass das der Take-Away sein sollte für Neuankömmlinge hier. Natürlich ist es in den seltensten Fällen so schwarz-weiß. Die meisten User wenden glücklicherweise (noch) eine Mischung aus Eigenbelohnung und Fremdbelohnung (= Verzicht auf Eigenbelohnung bzw. Selbstkasteiung) an. Entweder weil sie das System noch nicht durchschaut haben oder weil sie den Wert des sozialen höher schätzen als den eigenen finanziellen Erfolg.
Das wird auf lange Sicht allerdings sehr frustrierend und man wird wohl versucht sein die Methoden der anderen teilweise oder ganz zu adaptieren.
Es ist richtig, dass eine Änderung wie von @felixxx vorgeschlagen sicherlich auch ihre Schattenseiten hat, das bestreitet er selbst ja auch nicht. Eine Ideallösung gibt es nicht. In seinem Modell profitieren ja aber nicht nur Upvote-Bots, sondern auch das Gegengewicht in Form von Flags. Die müssten dazu wohl einen kleinen Imagewandel durchleben, weg von der aktuellen Interpretation des "Nicht-Gönnen-Wollens" (manche verwechseln das auch gerne mit Zensur...), hin zu einer gerechtfertigten Methode der Einflussnahme.
Ob das in Flag-Wars endet oder nicht ist für mich schwer abzusehen.
Unabhängig davon, wie das endet und ob es funktioniert, finde ich eine Erschwerung der momentan sehr simplen eigenen Profitmaximierung nicht schlimm. Denn momentan braucht man dafür nicht mal unbedingt Bots.
Ok, ich verstehe was du meinst. War auch nicht als Fundamental-Kritik auf deinen Vorschlag gemeint. ;)
Ich schreibe hier meist sowieso eher meine Eindrücke aus der Beobachter-Perspektive auf die Schwächen des aktuellen Systems. Dass diese mal konkret und durchdacht gewürdigt werden. Die Lösungsideen durchdenke ich zwar auch gerne, ich maße mir aber nicht an da alle denkbaren Problemchen und Abuse-Möglichkeiten direkt zu durchschauen.
Mein aktueller Kernkritikpunkt zusammengefasst:
Das aktuelle System bietet elementare Fehlanreize, die den Gesamtwert von steem als Währung destabilisieren. Das aktuelle System funktioniert nur weiter, weil immer noch viele Menschen einigermaßen verantwortungsvoll mit der Plattform umgehen. Sobald eine kritische Masse an Nutzern beginnt die Fehlanreize zu utilarisieren, sinkt der Wert von steem dramatisch, was alle Investoren, die steem zu dem Zeitpunkt noch halten trifft.
> Mein Gefühl sagt mir, dass es sich - vorhandenen Willen vorausgesetzt- nicht um ein unlösbares Problem handelt. ;-)
Das sehe ich ganz ähnlich. Deshalb wäre es ja auch mal spannend zu lesen, welche Gegenargumente von den Befürwortern des aktuellen Systems kommen. Insbesondere auf eine langfristige Perspektive bezogen.
Zum zweiten Punkt stimme ich dir auch zu.
Dieses Argumentationsmuster könnten beide verwenden, was es ja nicht richtiger macht. ;)
Interessanterweise sind es auch die "Zeitinvestoren", die überhaupt erst eine Wertsteigerung von steem möglich machen.
Wenn ich mir hier einen Account mache, Geld einzahle und dieses, als (leicht) übertriebenes Beispiel, nur dazu nutze um mich selbst zu voten, destabilisiere ich sogar mein Investment. Die Zeitinvestoren fangen das (noch) ab, indem sie produktiv sind. Irgendwann haben die aber auch die Schnauze voll...
Vor kurzem gab es hier mal einen Post mit 8 Gründen, warum man sich jetzt Steem besorgen sollte. Wäre ich Geldinvestor, der langfristig anlegen will und würde mir die aktuellen Missbrauchsmöglichkeiten hier anschauen, würde ich ganz schnell weiterziehen. Das aktuelle System schafft nicht gerade Vertrauen in die Stabilität des Produkts.
Sorry, ich freue mich nicht auf die Diskussion, denn ich habe sie schon zu oft geführt :P
Das tut mir Leid für dich - ich befürchte nämlich jetzt da du deinen ersten Meilenstein (spread awareness) erreicht hast werden die Diskussionen nicht weniger werden ;P
Ich poste übrigens mit diesem account auf Deutsch, weil ich mit dem @felixxx account nur englische Artikel schreibe.
Ok, kapiert.
Gegenfrage:
Wie genau willst du die denn skalieren ?
Wo liegt der Wendepunkt ?
Wo der obere Grenzwert ?
Ich bin kein Mathematiker, wie bereits erwähnt sind hochrechnungen schwierig und wir bräuchten einen fähigen Programmierer wie Dan.
Mein Ansatz wäre das ganze relativ zum Reward-Pool zu handhaben.
Plump gesagt wie die Diskussion: "Warum verdient der Daimler-CEO 40 Mio und ein Arbeiter 40.000?"
Zum Beispiel:
Sigmoid-Max = Durchschnitt-Payout * 100
Wenn der durchschnittliche Post bei 1$ landet ist Cap bei 100$
Gibt es nur halb so viele Posts und der Durchschnitt liegt bei 2$ ist der Cap 200$
(Über Zahlen/Faktoren lässt sich wie bei n^x natürlich noch streiten)
Wendepunkt könnte der Durchschnitt oder Median sein.
BTW: Was ich die letzten Tage nicht verstehe ist deine generelle Abneigung gegen alles was nicht n^x ist.
Ja, ich kam nach HF19, habe die goldene Zeit dieser Plattform verpasst als Milch und Honig flossen und niemand sich selbst upgevotet hat. Stattdessen waren anscheinend die Whales schlimmer sichtbar aber das ist ja laut deiner Posts nichts was man mit der Reward funktion lösen sollte. Dafür fordern genau das um so mehr Kommentare von Lvl 40-50 Nutzern (nicht nur die Noobs).
Für mich als Neulinge wirkt es im Moment wie ein Kreuzzug, und ich sehe n^x trotz der offensichtlichen Probleme von linear nicht als Allheilmittel.
@jaki01 | Feb. 21, 2018, 12:02 p.m. | Votes: 10 | [
VOTE ]
Interessanter Artikel!
Was mir auffällt, ist, dass viele Kommentatoren - zumindest so wie ich ihre Äußerungen interpretiere - gar nicht wirklich verstanden haben, dass es dir nicht um die die Einführung einer sigmoiden Reward-Kurve geht! :)
Deine Idee ist vielmehr, bei x2 zu bleiben, aber zugleich anzunehmen, dass sich diese steil ansteigende Parabel aufgrund von bei extrem hohen Rewards früher oder später einsetzenden Flags 'automatisch' in eine sigmoid aussehende Kurve umwandeln wird (zumindest entnehme ich das deinem Text - da aber die meisten anderen etwas anderes schreiben, könnte es ja auch sein, dass nicht sie die 'Geisterfahrer' sind, sondern ich :-) ).
Der Gedankengang hat einiges für sich - besonders die Überlegung, dass aufgrund der quadratischen Natur der Funktion, auch mit mäßig starker Votingpower (aber zu einem späten Zeitpunkt) vergebene Flags einen relativ starken Effekt hätten.
Demgegenüber steht aber eine Realität mit der man 'deine' Theorie abgleichen müsste: Meiner Erinnerung nach waren die Rewards teilweise schon sehr hoch, als noch n^2 herrschte ... Vielleicht ganz einfach deshalb, weil es die von dir vorausgesetzten Flags damals nicht in ausreichendem Maße gab? Vielleicht aus Angst vor 'Vergeltungsaktionen'?
Ich vermute auch, dass (sehr) vielen Neulingen Vor- und Nachteile linearer, quadratischer, sigmoider oder verschiedene Varianten kombinierender Rewardkurven gar nicht so klar sind, wie du das als durch viele ähnliche Diskussionen bereits geschulter alter Hase voraussetzt. Deshalb erlaube ich mir mal, meinen letzten Artikel darüber hier zu verlinken - das schließt möglicherweise einige Lücken.
Der Knackpunkt deiner Überlegungen ist wohl, ob sich hinreichend viele Flags einstellen würden bzw. wie man das erreichen könnte.